Fakten zur Sucht

Die nächsten Seiten sollen Ihnen helfen, sich einen Überblick über die Situation der Suchterkrankungen in der BRD zu verschaffen. Wir möchten Ihnen Zahlen und Fakten an Hand geben auf Grund derer Sie entscheiden können wo Sie stehen, welche Stufe der Abhängigkeitserkrankung Sie erreicht haben und Ihnen aufzeigen, was Sie unternehmen können um Hilfe zu finden.

Zum Thema:

Alkoholismus - eine anerkannte Krankheit

 Als erstes möchten wir Ihnen die Zahlen der DHS (deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren) aus dem Jahr 2000 nennen.

Alkohol

Konsumenten, Missbraucher, Abhängige

Altersgruppen

18-59 J.

18-69 J. (Hochrechnung)

Riskanter Konsum, insgesamt

7,8 Mio. (16%)

9,3 Mio.

davon missbräuchlicher Konsum

2,4 Mio. (5%)

2,7 Mio.

davon abhängiger Konsum

1,5 Mio. (3%)

1,6 Mio.

(Quelle: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland, Schriftenreihe des BMG. Band 128, Nomos - Verlag, 2000)

Medikamentenabhängigkeit

Medikamentenabhängige
Insgesamt ca. 1,5 Mio.,
davon ca. 1,2 Mio. Abhängige von Benzodiazepinderivaten.
(Quelle: Schätzung der DHS; Glaeske, Psychotropen und andere Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential Jahrbuch Sucht 2001, Neuland 2000)

Drogen

Zahl der Abhängigen
Ca. 250.000 bis 300.000 Personen in Deutschland gehören zu den Konsumenten harter Drogen. Hierzu zählen Heroin, andere Opiate, Kokain, Amphetamin und Ecstasy. Eine Untergruppe davon bilden etwa 100.000 - 150.000 Abhängige, die mit hoher Intensität Drogen konsumieren oder eine hoch riskante Konsumform aufweisen.
Ca. 2 Mio. Menschen konsumierten innerhalb der letzten 12 Monate (bezogen auf den Erhebungszeitraum 1996) Cannabis, etwa 270.000 davon sind Dauerkonsumenten.
(Quelle: Schätzverfahren und Schätzungen 1997 zum Umfang der Drogenproblematik in Deutschland, SUCHT, Sonderheft 2, 43. Jahrg., Dez. 1997)

Tabak

Anteil der Nichtraucher
Unter Einbeziehung der Säuglinge und Kinder sind 76,5% der Bevölkerung Nichtraucher, 71,4 % der männlichen und 81,4 % der weiblichen Bevölkerung
(Quelle: Mikrozensus 1999)

Anteil der Raucher
28,3 % aller über 15-Jährigen sind Raucher (Männer 34,7%, Frauen 22,2%). Den höchsten Anteil hat die Altersgruppe der 35-40jährigen mit 45% der Männer und 35% der Frauen.
Rund 87% (Männer 89%, Frauen 85%) sind regelmäßige Raucher und 13% (Männer 11%, Frauen 15%) gelegentliche Raucher.
(Quelle: Mikrozensus 1999)

Mortalität
In Deutschland ist jährlich mit ca. 111.000 tabakbedingten Todesfällen (43.000 durch Krebs, 37.000 durch Kreislauferkrankungen und 20.000 durch Atemwegserkrankungen) zu rechnen.
(Quelle: R. Peto et al, 1994)

Glückspiel

Anzahl Pathologischer Glücksspieler
Verlässliche Angaben über die Anzahl pathologischer Spieler und Spielerinnen in Deutschland liegen nicht vor. Die Angaben vorliegender Untersuchungen und Schätzungen differieren zwischen 25.000 und 130.000 Personen.
(Quelle: Bühringer, G; Türk, D., Geldspielautomaten - Freizeitvergnügen oder Krankheitsverursacher? Göttingen, 1999 / eigene Berechnungen, Meyer, Glücksspiel - Zahlen und Fakten, Jahrbuch Sucht 2001, Neuland 2000)

Als Alkoholiker gelten:

Alkoholiker sind exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen Grad erreicht hat, dass sie deutliche ( geistige ) Störungen und Konflikte in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit aufweisen. Sie erhalten Probleme in ihren mitmenschlichen Beziehungen und ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktion; oder sie zeigen Anzeichen einer solchen Entwicklung. Deshalb brauchen sie Behandlung.

Es sind deutlich zwei Gruppen von Alkoholikern zu unterscheiden :

Süchtige und nicht Süchtige.

Während sich bei der ersten Gruppe nach mehreren Jahren übermäßigen Trinkens " der Verlust der Kontrollierbarkeit " der Alkoholaufnahme einstellt, entwickelt sich dieses Phänomen bei der anderen Gruppe niemals.

Die Alkoholiker mit dem Kontrollverlust werden " Alkoholabhängige " genannt.

Der Drang des Alkoholsüchtigen zeigt sich darin, dass beim Genuss kleiner Alkohol -mengen ( z.B. 1 Weinbrandbohne ) ein Verlangen nach mehr Alkohol entsteht, begleitet vom Verlust der Selbstkontrolle. Wir dürfen uns also nicht vorstellen, dass diese Menschen von einem ständigen Drang erfasst seien - die Sucht meldet sich erst beim Genuss kleiner Mengen Alkohols.

Verlust der Selbstkontrolle und Unfähigkeit, mit dem Trinken aufzuhören

In " Wein " - Ländern und einigen " Bier " - Ländern kommen eine Anzahl der Trinker in ein Stadium, in dem sie keine - auch noch so kurze - Abstinenzperiode ertragen können; sie trinken tagaus, tagein, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, verlieren aber dennoch nicht die Fähigkeit, ihre Alkoholaufnahme zu regulieren. Sie sind imstande, den Grad ihrer Vergiftung den Umständen anzupassen, in denen sie sich gerade befinden. Aber sie können nicht veranlasst werden, abstinent zu sein, auch wenn ihnen klar wird, dass das Weitertrinken zu schwerer Krankheit oder anderen ernsten Konsequenzen führt.

Dieses Verhalten wird " Unfähigkeit, mit dem Trinken aufzuhören " genannt.

Eine andere Verlaufsform des Alkoholismus, die sich besonders auch in Ländern oder Gesellschaftsgruppen zeigt, wo entsprechend den Trinkgewohnheiten destillierte Spirituosen verwendet werden, zeigt das Bild des " Verlustes der Selbstkontrolle ".

Der Alkoholiker kann sich nach einer Phase der täglichen Alkoholaufnahme auf " Trinktouren " umstellen, die durch längere oder kürzere Pausen von einander getrennt sind.

Bei dieses Trinktouren ist schwere Trunkenheit die Regel ( Quartalssäufer ).

Nach dem Genuss kleiner Mengen Alkohol findet sich der Trinker dazu getrieben, mit immer größeren Mengen fortzufahren, bis er durch innere oder äußere Faktoren aufgehalten wird.

Ist dieser Punkt erst einmal erreicht, ist der Kontrollverlust geschehen, besteht in den wenigsten Fällen die Chance allein aus dem Teufelkreis der Sucht aus zu steigen und fachliche Hilfe wird für Sie nötig.

Wir möchten Ihnen hier einige der Hilfsmöglichkeiten aufzeigen und Ihnen zeigen, was den Meisten von uns geholfen hat.

Es biete sich die Hilfe der Selbsthilfegruppen an, von denen Sie fast allen Städten mehre finden können. Wir möchten Ihnen nun sagen was Selbsthilfe ist und was diese Leisten kann:

" Wer, wie, was sind Selbsthilfegruppen ? "

Was kann ich dort erwarten ? – Wie läuft es da ab ? –
Ist Vertraulichkeit wichtig ?

  • Selbsthilfegruppen werden von verschiedenen Selbsthilfe - & Abstinenzverbänden angeboten z.B. Kreuzbund , Blaues Kreuz , Freundeskreis , Anonyme Alkoholiker, deutscher Guttempler-Orden, Diakonisches Werk, freie  Gesprächsgruppen usw.
  • Das Prinzip jeder Selbsthilfegruppe lautet : " Hilfe zur Selbsthilfe "
  • Alle Teilnehmer von Selbsthilfegruppen sind Betroffene sowie Angehörige. Es arbeiten grundsätzlich keine Experten mit ( denn die Experten sind wir – Betroffene sowie Angehörige ).
  • Alle verbindet das gemeinsame Problem des Alkoholismus. Alle Gruppenfreunde stützen sich gegenseitig und tauschen Erfahrungen aus, um den Alltag auf " gesunde " Art bewältigen zu können und nicht mehr trinken zu müssen. Dort kann man seinen Kummer und auch Freude mit Menschen teilen die einen verstehen. Mein Gruppenleiter sagt immer : " Die Gruppe ist der Übungsplatz um draußen überleben zu können ". Ich meine da steckt viel Wahrheit dahinter und habe dieses auch für mich sehr oft nutzen können.

  • In den meisten Gruppen haben sich die Gruppenfreunde feste Regeln gegeben z.B.

    -  Vertraulichkeit ist wichtig ! Alles, was in der Gruppe erzählt wird, soll dort bleiben und   nicht weitererzählt werden.

-  Jeder erzählt möglichst nur von sich. Spricht man über andere Personen, z.B. den   Abhängigen oder Angehörigen, so berichtet man hauptsächlich von den Auswirkungen,   die deren Verhalten für einen selbst hat.

  • Der Ablauf der meisten Treffen ist recht unterschiedlich. Mal steht ein Thema an oder jeder erzählt in einem Rundgespräch von sich und seinem erlebten.
  • Ganz wichtig in einer Gruppe ist, das wenn einem danach ist nichts zu reden auch nur zu hören kann. Oftmals muss das Reden auch erst mal wieder neu erlernt werden, weil das mangelnde Selbstwertgefühl so klein geworden ist.
  • Eins ist auch gewiss, dass in den Gruppen ganz unterschiedliche Menschen sitzen. Das bedeutet, das du dort auch auf Personen treffen könntest, die dich nicht mögen und du nicht mögt. Lasse aber eins nicht außer acht, auch du musst dich erst wieder entwickeln, so wie die anderen Teilnehmer auch, deshalb ist es auch wichtig sich gegenseitig zu respektieren. Du wirst sehen, auch du wirst dich im Laufe der Zeit dadurch weiterentwickeln. Deshalb ist es wichtig, sich eine Gruppe zu suchen, indem du dich 100% wohlfühlst und auch deinen Gruppenfreunden gegenüber Vertrauen kannst. Ich sage immer: „Ich habe nicht mit Jedem getrunken, also möchte ich auch nicht mit Jedem trocken sein“.
  • Wenn es dir aber in einer Gruppe mal nicht gefallen hat, so lasse dich nicht entmutigen und suche dir eine andere Gruppe, damit auch du Hilfe für deine Schwierigkeiten findest.
  • Bedenke bei alldem bitte auch, jeder Gruppenabend ist nicht gleich, denn jeder Teilnehmer hat jedes Mal eine andere Tagesform, sowie auch du !
  • Dies soll ein kleiner Einblick gewesen, wie oder was in Selbsthilfegruppen vor sich geht.
  • Ich wünsche allen, die eine Selbsthilfegruppe suchen oder bereits besuchen einen für sich jedes Mal besonderen Gruppenabend und das du möglichst viel aus den Abenden für dich mit nach Hause nimmst.

Ansonsten wünsche ich euch eine gute Gruppe !!!

Sollten Sie noch Adressen benötigen, oder nicht wissen, wo Sie sich hinwenden können um Adressen von Selbsthilfegruppen zu erfahren, so können Sie mir mailen und ich werde versuchen Ihnen dabei zu helfen.

Den Entzug machen Sie im Besten in einem Fachkrankenhaus, welches Sie, mittlerweile, in jeder größeren Stadt finden. Wenn sich kein Fachkrankenhaus in Ihrer Nähe befindet, führen ebenfalls fast alle Krankenhäuser Entzüge durch. Therapeutische Hilfe und Weiterleitung in spezielle Fachkliniken  finden Sie über Suchtberatungsstellen der Stadt oder die örtlichen Drogenberatungsstellen.

Das Wichtigste ist nach unserer Erfahrung, dass Sie überhaupt etwas unternehmen. Egal welchen Weg Sie beschreiten (welche Hilfsmöglichkeit Sie ergreifen), Sie werden von der jeweiligen Stelle weitergeleitet und es werden Ihnen auf alle Fälle neue Wege aufgezeigt.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und hoffen, mit dem Gesagtem eine kleine Hilfe geleistet zu haben.